Armenische Weinprobe als interkultureller Austausch

Armenien, das älteste und jüngste Weinland

Der in Heppenheim ansässige überregionale deutsch-armenische Verein Noah e.V. führte in Lorsch vor historischer Kulisse an der Königshalle erstmals eine Weinprobe mit armenischen Weinen durch. Der Verein fördert den kulturellen Austausch Armenien und was liegt da näher als eine Weinprobe in unserer Weinregion mit Weinen aus dem ältesten Weinland der Welt. Eine derartige Weinprobe ist viel mehr als nur eine Degustation – sie ist ein interkultureller Austausch, der die Bräuche, die Geschichte und die klimatischen Besonderheiten verschiedener Regionen vereint.

In der Klosterschänke referierte Noah-Vorstand Michael Strauß kenntnisreich und humorvoll die Weinprobe mit je drei Weis- und drei Rotweinen vor über 40 Teilnehmern. Er präsentierte die heutige Vielfalt der Weine aus dem ältesten Weinland der Erde. Durch das gemeinsame Verkosten und den Vergleich von Anbaugebieten, Rebsorten und Herstellungsmethoden entstand ein unmittelbares kulturelles Erlebnis.

Interkulturelle Weinprobe

Armenien ist die älteste dokumentierte weinproduzierende Kultur auf Erden, mit einem ununterbrochenen Faden, der von 4100 v. Chr. bis heute reicht. Während der Sowjetherrschaft verlagerte sich der Fokus allerdings auf industrielle Produktion und „Cognac“-Herstellung, aber seit der Unabhängigkeit 1991 hat eine stille Revolution die Weinszene verändert. Seit den 2000er Jahren besinnen sich Winzer auf alte Rebsorten wie Areni und erobern den Weltmarkt. Zur Hilfe kamen armenische Weingüter aus Südamerika mit modernsten Methoden. Das Ergebnis erstaunt die Fachwelt. Mit seinem einzigartigen Terroir, den einheimischen Rebsorten und einer perfekten Mischung aus Tradition und Innovation ernten armenische Weine internationale Anerkennung für ihre unverwechselbaren Aromen und ihre aussergewöhnliche Qualität.

Im Buch Genesis heißt es, dass die Arche Noah nach der Sintflut auf dem Berg Ararat in Armenien landete. Nach der Sintflut pflanzte Noah laut der Bibel den ersten Weinberg: „Noah aber, der Ackermann, pflanzte als Erster einen Weinberg.“ (Genesis 9,20)

Für den armenischen Weinbau sind Berge und Hochlagen ein entscheidender Faktor. In einigen Hochlagen bis zu Höhen von 1.800 Metern herrscht ein trockenes kontinentales Klima, mit starken Temperaturkontrasten zwischen Tag und Nacht sowie zwischen heißen Sommern und kalten Wintern. Vulkanische und kalkgeprägte Böden tragen ebenfalls zu den grundsätzlich hervorragenden Weinbau-Bedingungen bei. Zudem sind die meisten Reben in Armenien wurzelecht, da das Land von der Reblaus nicht erreicht wurde. Einige Stöcke erreichen ein biblisches Alter von bis zu 150 Jahren.

Michael Straus stellte sowohl Weine, die mit modernsten Methoden hergestellt werden, als auch einen Wein, der nach der jahrhundertealten Methode der Amphorenweine („Orange-Weine“) in Tongefäßen hergestellt wird, vor.

Noah fördert deutsch-armenischen Kulturaustausch

Der deutsch-armenische Verein Noah hat ca. 150 Mitglieder und hat sich den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Armenien, dem ältesten christlichen Land und der Wiege unserer Kultur, verschrieben. Die Mitglieder stammen vorwiegend aus der Region Heppenheim, Bensheim, Lorsch, sind ansonsten über ganz Deutschland und auch international verstreut. Gegründet wurde der Verein bereits 2004. Unter anderem ging aus der Verbindung mit Armenien auch die – derzeit leider brachliegende – Klosterpartnerschaft zwischen dem Kloster Lorsch und dem Kloster Geghard in Armenien hervor. Der Verein organisierte auch die vielen Auftritte des zwischenzeitlich weltberühmten Geghard-Chores in unserer Region.

Christian Drayss, Alexander Löffelholz und Nelly Hakobyan vom Noah-Vorstand