„Noah“ mit verjüngtem Vorstand

Jahreshauptversammlung: Michael Strauß führt als neuer Vorsitzender den Kulturverein in die Zukunft.

Der Generationswechsel ist vollzogen: Wie bereits im letzten Jahr angekündigt, haben sich der erste Vorsitzende Gevorg Hayrapetyan und Schatzmeister Ernst-Ludwig Drayß aus der geschäftsführenden Spitze von Noah zurückgezogen. Neuer Vorsitzender ist Michael Strauß, zuvor Beisitzer im Verein, der seit 2004 die kulturellen Beziehungen zwischen Armenien und Deutschland fördert und unterstützt (www.noah-arts.de). „Wir haben jetzt reibungslos die Weichen für die Zukunft gestellt“, so Hayrapetyan in seinem letzten Bericht. Er war zwölf Jahre Vorsitzender. Als Gründungsvorstand hat Drayß den Kulturverein lückenlos über 22 Jahre hinweg begleitet. Beide bleiben Noah im neu formierten Beirat erhalten, um die persönliche Expertise in den eigenen Reihen zu bewahren. Der Vereinssitz wurde bereits 2025 nach Heppenheim verlegt.

Die ergänzenden Neuwahlen im Back- und Brauhaus Drayß waren aufgrund der lange abgeklärten Personalien schnell abgehakt. Die 31-köpfige Mitgliederversammlung votierte geschlossen für Nvard Hovsepyan als neue Schatzmeisterin. Michael Strauß lebt in Heidelberg und arbeitet bei der KfW-Bankengruppe in Frankfurt. Der 58-Jährige ist außerdem deutscher Leiter des aus Armenien stammenden Bildungsprojektes TUMO: Eine gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, die Bildung und persönliche Entwicklung junger Menschen in den Bereichen Kreativität, Kultur und Technologie durch innovative Lernmethoden zu fördern. Das erste deutsche TUMO-Zentrum wurde 2020 in Berlin eröffnet. Seitdem kamen weitere Standorte – unter anderem 2024 in Mannheim – hinzu. Das Zentrum Frankfurt steht kurz vor der Eröffnung.

Neuer Vorsitzender „mit eigenen Ideen und eigenem Kopf“

Michael Strauß kennt Armenien von unzähligen Reisen privater wie beruflicher Natur. „Ich bringe eigene Ideen, aber auch einen eigenen Kopf mit in den Verein“, sagte er in Lorsch. Strauß will das Erbe seiner Vorgänger nicht nur verwalten, sondern gemeinsam mit dem Vorstand erfolgreich weiter entwickeln: dazu gehören der zweite Vorsitzende Aram Antonjan sowie Alexander Löffelholz als Schriftführer und eine große Riege von zwölf Beisitzern. Als Kassenprüfer folgt Jürgen Brückner auf das neue Vorstandsmitglied Nvard Hovsepyan. Durch die Ergänzungswahlen wurde der Altersdurchschnitt des bereits 2025 verjüngten und erweiterten Vorstands auf einen Schlag um rund drei Jahrzehnte gesenkt. Damit sieht sich Noah für die kommenden Jahre gut aufgestellt. Aktuell zählt der Kulturverein 142 Mitglieder, davon kommen rund 37 Prozent aus dem Kreis Bergstraße. Schwerpunkt bildet die Rhein-Main-Neckar-Region. Aber auch in Berlin, Hamburg und München sowie in Armenien, Österreich und der Schweiz gibt es Unterstützer.

Michael Strauß (stehend) ist neuer Vorsitzender des Noah-Vereins zur Förderung kultureller Beziehungen zwischen Deutschland und Armenien. Bild: Thomas Neu

Wiederaufbau des Klosters St. Karapet in der Provinz Ararat

Auch finanziell ist Noah gesund. Verbindlichkeiten gibt es nicht. Die Kassenlage ist stabil, so der scheidende Schatzmeister Ernst-Ludwig Drayß in Lorsch. Er betonte, dass der Verein viele zweckgebundene Mittel als laufende Posten direkt an Dritte weiterleitet, das frei verfügbare Geld aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden beträgt jährlich knapp 10.000 Euro. Damit werden Reisen, Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen finanziert. Unter anderem unterstützt der Verein den Wiederaufbau des Klosters St. Karapet in der Provinz Ararat und die Bewahrung des Nachlasses der weltbekannten Künstlerfamilie Sevrugian durch die „Sevrugian Cultural Foundation“. Emanuel Sevrugian, Nachkomme der Fotografen und Maler Antoine und André, starb im August 2025 in Heidelberg. Der Verein war 2025 bei der Eröffnung der Sevrugian-Sektion im Historischen Museum in Jerewan als maßgebliche Förderer dabei.

Auch die Beteiligung an den Armenischen Kulturtagen in Stuttgart und Konzerte im Heppenheimer Kurfürstensaal werden als großer Erfolg verbucht, so Hayrapetyan in seinem Jahresbericht, wo er auch auf die Zusammenarbeit mit armenischen Künstlern wie Robert Amirkhanyan, Seda Amir-Karayan, Gurgen Baveyan oder dem Geghard-Ensemble einging. Kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Vorträge und Ausstellungen vermitteln ein lebendiges Bild armenischer Kultur und förderten die Beziehung zu Deutschland, sagte er. Die Präsenz des Vereins sei hervorragend. In den letzten zwei Jahrzehnten habe man vieles bewegen können, so der langjährige Vorsitzende. Mit dem Mix aus erfahrenen und jungen Köpfen könne man jetzt optimistisch nach vorn blicken.

Ernst-Ludwig Drayß als Spiritus rector

Gründungsmitglied Bela Konrad hielt eine Laudatio auf die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder. Ernst-Ludwig Drayß lobte er als Spiritus rector und Vordenker im Verein, der zahlreiche Projekte und Initiativen angestoßen habe. Die zwölf gemeinsamen Vorstandsjahre mit Gevorg Hayrapetyan bilanzierte er als überaus erfolgreiches Kapitel in der Biografie von Noah, dessen erste 20 Jahre in einer illustrierten Chronik dokumentiert sind. Die „mustergültige Übergabe“ der Vorstandsposten zeige, wie harmonisch und konstruktiv man an der Vereinsspitze agiere. Am Ende der Mitgliederversammlung warf Aram Antonjan noch einen Blick in die nahe Zukunft: Der Verein wird den offiziellen Stand Armeniens bei der Frankfurter Buchmesse vom 7. bis 11. Oktober finanziell und personell unterstützen. Dabei öffne sich auch die Chance, Noah auf einer großen internationalen Bühne zu präsentieren, so der zweite Vorsitzende in Lorsch.

NOAH-Vorstand, v.l.: Dr. Gevorg Hayrapetyan, Michael Strauß, Nvard Hovsepyan, Aram Antonjan, Ernst-Ludwig Drayß, Bild: Thomas Neu